Burn-out – wann macht Arbeit krank?


Fast jeder von uns kennt jemanden, der unter einem Burn-out Syndrom leidet oder irgendwann mal daran erkrankt ist. Doch was ist das eigentlich, das so genannte Ausgebrannt sein? Ist es eine Entschuldigung für Überlastung, oder ist es eine tatsächliche Erkrankung?

Wissenschaftler definieren Burn-out als einen Zustand schwerer psychischer Erschöpfung, der auch körperliche Beeinträchtigungen zur Folge hat. Laut Statistik sind Frauen und Männer nahezu gleichermaßen betroffen. Soziale Berufe wie Pfleger, Krankenschwestern, Ärzte oder Lehrer etwas stärker als andere Berufsgruppen. Aber durch den immer größer werdenden Druck in anderen Sparten gleicht sich das bald an. Das Krankheitsbild tritt häufig nach einer Phase des sehr engagierten Arbeitens ein und kann sich auf vielfältige Art und Weise äußern. Lustlosigkeit, emotionale Erschöpfung, sich „leer fühlen“, Antriebslosigkeit, Kraftlosigkeit, Apathie, Depressionen aber auch Aggressionen zählen beispielsweise zu den Symptomen. Typisch für Burn-out ist auch der Rückzug von Kollegen, Kunden, Freunden und Bekannten. Die Symptome ähneln einer Depression, sind aber ganz anders zu behandeln als diese. Deshalb ist eine ärztliche Diagnose ganz wichtig, in beiden Fällen. Wer unter Burn-out leidet, muss einen Arzt aufsuchen. Je früher behandelt wird, desto besser und schneller verläuft die Therapie. Noch besser ist es allerdings, wenn man es gar nicht so weit kommen lässt und gleich bei den ersten Signalen des Körpers die Notbremse zieht. Wer Entspannungsphasen und Pausen im Alltag einbaut, beugt effektiv vor, bleibt belastbar und leistungsstark.

Zeit sparen kostet Zeit und Kraft

Immer höher, immer schneller, immer weiter … die so genannten Beschleuniger wie beispielsweise das Multitasking können jedoch auch gefährlich werden. Zeit sparen beherrscht bei vielen Menschen den Alltag und so ist es bereits selbstverständlich, dass man beim Telefonieren auch Emails beantwortet oder die Post öffnet. Sich auf nur eine Sache zu konzentrieren, scheint immer seltener zu werden. Selbst wenn man unterwegs ist, ist man über Handy immer erreichbar. Und wenn es nicht klingeln kann, weil man beispielsweise im Theater sitzt, helfen SMS oder Mails, die vermeintliche Unerreichbarkeit zu überbrücken. Die Zeit, in der man eigentlich abschalten sollte, wird immer geringer. Doch gerade hier sollte man nicht sparen. Denn wer nicht abschaltet, kann seine Batterien nicht auftanken. Und dann läuft der Akku leer, das Gehirn schaltet auf Notaggregat und das Krankheitsbild Burn-out entsteht.

Die Abwärtsspirale wird selten wahrgenommen

Das Tückische beim Burn-out ist, dass die Betroffenen ihre Entkräftung anfangs überhaupt nicht bemerken, und dass die Umwelt diesen Powermenschen niemals Erschöpfungszustände zutrauen würde. Es sind meist Menschen, die sehr große Freude an ihrer Arbeit haben und darin Erfüllung finden. Dann setzen sie ihre Maßstäbe immer höher. Sie definieren ihre Werte zunehmend mehr und irgendwann ausschließlich über die Anerkennung in der Arbeitswelt. Ausgleich gibt es kaum noch, so dass die Batterien nicht mehr aufgeladen werden und die Leistung nachlässt. Soziale Kontakte werden immer weniger, man hat keine Lust mit Freunden oder der Familie etwas zu unternehmen. Irgendwann können die Betroffenen ihr Arbeitspensum nicht mehr erfüllen, sie fühlen sich müde, schwach und nutzlos in diesem Zustand. Das frustriert. Also arbeiten sie härter, häufig auch, weil sie Angst haben, ihre Position oder gar ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Die Belastung durch die Arbeit wird irgendwann so groß, dass die Erschöpfungszustände chronisch werden. Entscheidungen können kaum noch getroffen werden, selbst ganz banale nicht. Der Gang zum Mülleimer überfordert bereits. In dieser Phase ziehen sich die Betroffenen zurück und lehnen zunächst jegliche Hilfe ab. Der Burn-out Prozess geht manchmal so schleichend voran, dass die Betroffenen überhaupt nicht merken, in welcher Abwärtsspirale sie sich befinden.

Rechtzeitig Notbremse ziehen

Jeder kennt arbeitsreiche Phasen und auch, dass man manchmal bis zum Anschlag wochenlang arbeiten muss. Das kann mitunter ja auch großen Spaß machen. Wichtig ist jedoch, dass man für Ausgleich sorgt. Anspannung braucht als Gegenpol Entspannung, und das jeden Tag. Der Sprint vom Büro zum Fitnessstudio kann helfen, angestaute Aggressionen abzubauen, entspannender ist jedoch ein Spaziergang an der frischen Luft. Legen Sie bereits während der Arbeitszeit bewusst Pausen ein, um zumindest kurzzeitig abzuschalten. Gehen Sie um die Häuser oder im Treppenhaus hoch und runter. Beim Spazierengehen auch mal rückwärts gehen, das aktiviert ungenutzte Hirnareale. Kurzerhand: jeder sollte täglich darauf achten, dass genug Zeit für Entspannung eingeplant wird. Dabei erholt sich jeder anders. Nutzen Sie dabei das, was Ihnen gut tut. Für den einen ist es Bewegung, für den anderen Meditationsmusik oder mit Freunden essen gehen. Soziale Kontakte nach Feierabend sind sehr wichtig. Sie sollten sich täglich mit Freunden oder mit dem Partner sich austauschen. Das Chatten im Internet oder irgendwelche Spiele auf dem Laptop sind kein Ersatz.

Rituale sind wichtig

Ein strukturierter Tagesablauf mit wiederkehrenden Ritualen und gesunder, ausgewogener Ernährung trägt ebenfalls zur Vorbeugung eines Burn-out bei. Essen Sie regelmäßig. Manche Menschen kommen mit drei, andere brauchen fünf kleinen Mahlzeiten über den Tag verteilt. Wer viel sitzt, sollte möglichst fettarm essen. Pflanzliche Fette wie Rapsöl oder Olivenöl sind zu bevorzugen. Viel Gemüse und Obst sorgen für ausreichend Mineralstoffe und Vitamine. Vollkornprodukte sind besser als Weißmehl. Der Fleischkonsum, insbesondere von rotem Fleisch, sollte auf zweimal pro Woche reduziert werden. Gute Alternativen sind Fisch, Tofu oder Milchprodukte.

Werfen Sie den Anker!

Zum Schluss noch ein Tipp aus dem Coaching-Bereich. Mit etwas Übung können Sie sich selbst in die richtige Spur zurück bringen, besonders in Situationen extremer Anspannung. So kann man beispielsweise bewusst einen konditionierten, also bedingten Reflex setzen, einen Anker werfen sozusagen. Dieser Anker kann beispielsweise durch Druck auf den linken Daumen geworfen werden. Drücken Sie mit dem rechten Zeigefinger und dem rechten Daumen auf den linken Daumen, so dass ein spürbarer, aber nicht schmerzhafter Druck wahrgenommen wird. Dann stellen Sie sich eine entspannende Situation vor. Sie sitzen am Meer, hören das Rauschen der Wellen, spüren den warmen Wind auf der Haut, riechen den angenehmen Duft einer Kokosnuss, und sehen den Sonnenuntergang. Sie empfinden ein leichtes und unbeschwertes Gefühl und fühlen sich völlig entspannt. Je mehr Sinne mit dem Bild verknüpft werden, desto effektiver. Dieses Bild rufen Sie nun zweimal täglich in Verbindung mit dem Daumendruck auf. Öfter ist natürlich auch möglich. Wenn Sie ausreichend geübt haben, und sich in Verbindung mit dem Bild tatsächlich entspannt fühlen, erreichen Sie das auch im Alltag durch Drücken des linken Daumes. Probieren Sie es aus! Viel Erfolg dabei!

Quelle/Autor: Elke Engels – Bild: ABDA

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