Experten-Interview zum Thema Narbenpflege


Auf manche Narben ist man stolz: Sie erzählen vom Leben, dokumentieren Abenteuer und unvergessliche Momente. Auf die meisten Narben würden wir jedoch gerne verzichten: Ob ein kleiner Unfall im Haushalt, beim Sport oder als Folge einer Operation – wir wünschen uns, dass keine Narben entstehen bzw. dass diese schnell wieder verschwinden mögen. Erst kürzlich haben wir im Pharmawelt ein Interview mit Frau Dr. Karena Reddington, niedergelassene Dermatologin aus Frankfurt, über Wundpflege präsentiert. Heute beantwortet Frau Dr. Reddington die wichtigsten Fragen zum Thema Narbenpflege.

mete13.00m-tetesept-dr.-karena-reddington

Wieder ein interessantes Interview mit Frau Dr. Reddington: die richtige Narbenpflege.

1. Welches sind die wichtigsten Faktoren, die beeinflussen, wie die Narbe später aussieht?

Entscheidend für das bleibende Erscheinungsbild von Narben sind folgende Faktoren: Je dunkelhäutiger Menschen sind, umso eher bleiben Narben sichtbar. Des Weiteren ist das Lebensalter wichtig, so verheilen Wunden bei Kindern besser als bei älteren Menschen. Auch die Körperregion ist relevant: Wunden im Gesicht und an den Händen verheilen einfacher, am Rücken, Dekolleté oder am Knie entstehen hingegen eher Narben. Auch die Art der vorausgegangenen Verletzung spielt eine Rolle. Bei Operationen, ist die Nahttechnik sowie die Narbenmassage relevant und nicht zuletzt die Tatsache, ob der Patient sich an die Anweisungen des Arztes hält. Jede Wunde braucht Ruhe zum Heilen.

2. Bei welchen Narben ist eine Narbenpflege (z.B. Narbengel) empfehlenswert?

Bei größeren oder tieferen Verletzungen sowie bei Operationen werden die tiefer liegende Hautschichten verletzt und Gewebe zerstört. Das zerstörte Gewebe wird durch minderwertiges Bindegewebe ersetzt – und eine Narbe entsteht. Eine Narbenbehandlung, beispielsweise durch ein Narbengel, kann einen wesentlichen Beitrag leisten, das Erscheinungsbild der Narbe zu verbessern.

Bei wuchernden Narben ist eine Narbenpflege extrem wichtig; ebenso bei Narben, die über Gelenken liegen, um später wieder eine volle Beweglichkeit/Funktionalität zu erreichen.

3. Wann kann man mit der Narbenpflege beginnen?

Je früher mit der Narbenbehandlung begonnen wird, desto besser sind die Chancen, die Narbenentwicklung positiv zu beeinflussen. Sobald die Wunde geschlossen ist oder die Fäden nach einer OP gezogen sind und keine Kruste mehr auf der Wunde ist, kann mit der Behandlung begonnen werden.

4. Welche Inhaltsstoffe zeichnen ein gutes Narbenpflegeprodukt aus und wie wirken sie?

Es gibt eine Reihe von Inhaltsstoffen, die sich zur Narbenpflege bewährt haben, u.a.

• Cepalin (Zwiebelextrakt): Wirkt Entzündungen entgegen und beugt der Entstehung von überschüssigem Narbengewebe vor.

• Allantoin: Beschleunigt die Wundheilung, indem die Wirkstoffaufnahme unterstützt wird. Die Haut wird geschmeidig und der Juckreiz gemildert.

• Hyaluronsäure: Kann ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Wasser speichern und versorgt so die Haut nachhaltig mit Feuchtigkeit.

• Panthenol: Hat feuchtigkeitsspendende Eigenschaften und kann so die Textur und Geschmeidigkeit der Haut verbessern.

• Silikone: Verbessern die Geschmeidigkeit einer Narbe, da sie ebenfalls zur Erhöhung der Feuchtigkeit beitragen.

5. Wie lange bzw. wie oft sollten Narbengels angewendet werden und wann kann man die ersten Erfolge sehen?

Die Narbenreifung kann bis zu 2 Jahren andauern. Deshalb sollten man bei der Behandlung Geduld haben. Nach etwa 6-8 Wochen lässt die Rötung langsam nach und durch die konsequente Pflege mit entsprechenden klinisch getesteten Präparaten (z.B. tetesept Narben Gel) lässt sich das Erscheinungsbild auch weiterhin verbessern. Die Narbe wird elastischer und flacher.

6. Welche Maßnahmen fördern darüber hinaus das Verblassen (und Verflachen) einer Narbe?

Ein ganz zentraler Faktor ist die Massage! Indem ich die Narbencreme oder das Narbengel ganz bewusst und langsam einmassiere. Ein paar Minuten täglich über einen langen Zeitraum sollten es schon sein. Auch sollten frische Narben nicht der Sonne oder anderen Bestrahlungsquellen, wie z.B. Solarien ausgesetzt werden, da das die Wundheilung bremst und unter Umständen zu einer stärkeren Pigmentierung einer Narbe führen kann.

7. Warum ist eine Massage der Narbe so wichtig? Kann man Narben wegmassieren?

Massagen sind sozusagen das A und O bei der Narbenpflege. Denn die Massage fördert das Eindringen der entzündungshemmenden und wundheilungsfördernden Bestandteile einer Creme oder eines Narbengels in die Haut. Die Durchblutung wird gefördert und damit auch der An- und Abtransport von Nährstoffen und Abbauprodukten. Die Massage führt dazu, dass das Narbengewebe geschmeidiger und damit auch beweglicher, weicher und elastischer wird.

Narben kann man zwar nicht wegmassieren, aber man kann sie durchaus schöner massieren! Schöner im Sinne von flacher, weicher, geschmeidiger und beweglicher. So dass die Narbe wieder die Bewegungen der Haut mitmacht und es nicht zu Verklebungen der umliegenden Haut kommt oder gar zu Bewegungseinschränkungen z.B. an Gelenken.

8. Ist es auch sinnvoll, ältere Narben zu behandeln?

Ja, auch Narben, die ein Jahr oder älter sind, können und sollten behandelt werden. Oft wird das „alte“ Narbengewebe in Folge des Wassermangels im Gewebe hart. Hier sollte ein klinisch nachweislich wirksames Präparat über mindestens 6 Monate 1 bis 3 Mal täglich einmassiert werden. So kann dazu beitragen werden, dass die Narbe elastischer und unauffälliger wird.

9. Darf ich mit meiner Narbe in die Sonne?

Für frische gilt: Sonnenbaden verboten! Denn eine frische Narbe hat ein sehr empfindliches Narbengewebe. Die Sonneneinstrahlung kann die Neubildung negativ beeinflussen und die Regeneration des Gewebes stören. Unerwünschte Änderungen der Hautfarbe und der -beschaffenheit könnten die Folge sein. Durch zu viel Sonneneinstrahlung werden die Narben meist dunkel.

10. Warum schmerzen Narben bei Wetterumschwung?

Wenn sich die Wetterlage ändert, klagen viele Menschen über Migräne oder Kopfschmerzen. Ein Wetterumschwung kann sich auch auf Narben auswirken, die dann anfangen zu jucken oder zu schmerzen. Dies ist vermutlich auf die geschädigten Nervenfasern in der Haut zurückzuführen. Diese verlaufen als Folge der Verletzung oft anders als zuvor. Auch können die Nervenfasern durch das nachwachsende Bindegewebe der Narbe beeinträchtigt sein. Möglicherweise werden bei einem Wetterumschwung Reize auf den Körper übertragen, die Befindlichkeitsstörungen in der Narbenregion auslösen.

11. Welche Maßnahmen helfen sonst noch gegen Narben? Ultraschall, Unterspritzung, Laser?

Wenn eine Narbe anfängt zu wuchern oder es sich um eine hypertrophe Narbe oder gar Narbenkeloid handelt, kann diese mit Kortison unterspritzt, mit Stickstoff vereist, mit Laser behandelt oder erneut operiert werden, wobei das die letzte Maßnahme sein sollte.

Jeder Arzt bevorzugt meist eine spezielle Methode. Ich bevorzuge die Behandlung mittels Stickstoff. Dabei wird durch die Aufbringung von flüssigem Stickstoff auf die Narbe quasi eine Kälteverbrennung erreicht. Das erfrorene Gewebe wird dann innerhalb von ca. 14 Tagen abgestoßen. Bei einer Laserbehandlung findet im Prinzip eine Hitzezerstörung des überflüssigen Gewebes statt. Verbrennungswunden entzünden sich aber etwas leichter als Kälteverbrennungen. Daher bevorzuge ich die Stickstoffbehandlung. Bei der Unterspritzung mit Kortison kann man die Dosierung etwas schlechter abschätzen und man hat die systemischen Nebenwirkungen durch das Kortison, die man eigentlich nicht möchte. Alle Methoden müssen wiederholt werden und zwar solange bis die Narbe zufriedenstellend abgetragen ist, was natürlich auch von der Größe der Narbe abhängt.

Wir bedanken uns, Frau Dr. Reddington, für die hilfreichen Informationen.

Quelle: Merz Consumer Care GmbH – Artikelbild: © Artem Furman – Fotolia.com

 

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s