Interview mit Dr. Martin Hirte


In Zusammenhang mit dem Thema Kindergesundheit, präsentiere ich euch Heute ein interessantes Interview mit Dr. Martin Hirte. Dr. Hirte ist Facharzt für Kinderheilkunde und klassische Homöopathie in München und Autor des Buches „Impfen – Pro & Contra. Das Handbuch für die individuelle Impfentscheidung“.

Dr. Hirte erzählt uns welche Kinderkrankheiten die gefährlichsten sind, welche Impfungen bei Kindern auf jeden Fall notwendig sind, und welche er besonders skeptisch betrachtet.

Welche Kinderkrankheiten sind die gefährlichsten?

Dr. Martin Hirte: Wenn Sie lebensbedrohlich meinen, dann liegt die Diphtherie eindeutig in Führung. Auch die moderne Medizin ist angesichts der Giftstoffe, die die Diphtheriebakterien bilden, oft machtlos. Zwar hat die Anfälligkeit für Diphtherie auch mit Mangelernährung und schlechten Lebensbedingungen zu tun, aber wir sollten trotzdem nicht den Versuch wagen, das Impfprogramm zu stoppen. Die anderen klassischen „Kinderkrankheiten“ wie Masern, Windpocken, Mumps oder Röteln machen Probleme hauptsächlich dann, wenn sie im untypischen Alter auftreten, also bei Erwachsenen oder im Fall von Masern auch bei Säuglingen.

Welche konnten – zumindest in Deutschland – ausgerottet werden?

Dr. Martin Hirte: Kinderlähmung ist in Deutschland seit 1992 nicht mehr aufgetreten. Der letzte Fall von Diphtherie bei einem Kind wurde 1997 registriert, es gibt allerdings noch Einzelfälle von Erwachsenen, die nach einer Auslandsreise erkrankt sind. Die Ausrottung der Masern dürfte demgegenüber schwer werden, vor allem weil die Impfung nicht bei jedem wirkt. Nach zwei Impfungen haben höchstens 95 Prozent einen bis ins Erwachsenenalter anhaltenden Schutz. Bei der angestrebten Impfquote von 95 Prozent bleiben also etwa zehn Prozent der Bevölkerung empfänglich für Masern. So werden selbst in den USA, wo die Impfung quasi Pflichtcharakter hat, jedes Jahr über hundert Masernfälle gemeldet. Die Masernausrottung, also das Verschwinden des Virus, scheitert auch daran, dass es auch bei gesunden Geimpften vorkommt und an andere Geimpfte weitergegeben werden kann. Inzwischen wurde zudem entdeckt, dass Fledermäuse ein Reservoir für Masernviren bilden.

Wie kann es passieren, dass wie aktuell in NRW die Masern wieder so stark grassieren?

Dr. Martin Hirte: Es wird immer Menschen geben, die nicht gegen Masern geimpft oder durch die Impfung nicht geschützt sind. Treten sie in größerer Dichte auf – etwa in Orten oder Schulen mit geringer Impfbeteiligung – häufen sich eben Masernfälle.

Was halten Sie von so genannten Masernpartys?

Dr. Martin Hirte: Nichts. Erstens funktionieren sie selten, weil die Masern nach Diagnosestellung nicht mehr lange ansteckend sind. Zweitens möchte ich nicht in der Haut von Eltern stecken, deren Kinder nach einer herbeigeführten Ansteckung eine Komplikation erleiden.

Auf Ihrer Homepage empfehlen Sie die Masernimpfung erst ab dem 16. Lebensmonat – warum?

Dr. Martin Hirte: Eine neuere kanadische Studie hat gezeigt, dass die Masernimpfung vor dem Alter von 15 Monaten eher zu Impfversagen führt als der spätere Impfbeginn. Will man die Masern weitgehend ausrotten, müssen die Impfempfehlungen geändert werden.

Welche Impfungen sind auf jeden Fall notwendig, auf welche kann man hierzulande verzichten?

Dr. Martin Hirte: Impfungen haben nicht immer nur den Aspekt, dass sie eine Krankheit verhindern, wie uns die Epidemiologen in der Impfkommission erklären. Die STIKO empfiehlt ja durchgehend alle Impfungen, die auf den Markt kommen.

Impfprogramme haben auch ökologische Folgen – etwa das Verschieben von Krankheiten in höhere Altersgruppen, in denen sie möglicherweise mehr Komplikationen machen. Dies ist derzeit bei Masern, Windpocken und auch Keuchhusten zu beobachten. Die Gefahr an Masern zu sterben ist heute, wo über die Hälfte der Erkrankten Erwachsene sind, deutlich höher als noch in den 80er oder 90er Jahren.

Die meisten Krankheiten werden nach Einführung eines Impfprogramms zwar seltener, aber das hat auch zur Folge, dass die Menschen, die sie einmal durchgemacht haben, ihren Schutz nicht mehr auffrischen, nicht mehr „boostern“. So kann es zu Wiedererkrankungen kommen, etwa zu Keuchhusten, der heute öfter im Leben auftritt als in früheren Zeiten, oder zur Gürtelrose, die auf Grund der Windpockenimpfung über die nächsten Jahrzehnte stark zunehmen wird. Speziell die Windpockenimpfung aller Kinder halte ich für ein nicht nachhaltiges Impfprogramm, das uns noch große Probleme aufbürden wird. Man muss sich auch fragen, was die Impfung gegen die Hepatitis B – bei uns eine klassische Geschlechtserkrankung – im Impfkalender für Säuglinge soll. Da ist selbst eine einzige schwere Nebenwirkung eine zu viel.

Impfungen können weiterhin zur Verschiebung von Erregern führen: Impft man beispielsweise wie derzeit gegen 13 Pneumokokkenstämme, so vermehren sich eben die anderen 78 Stämme, oder es siedeln sich neue Bakterien an. Ob das für die Geimpften von Vorteil ist, kann niemand sicher vorhersagen. Impfentscheidungen werden auch dadurch nicht einfacher, dass wir kaum eine Ahnung von Langzeitfolgen haben. Die Zulassungsbehörden lassen uns insofern in Stich, als sie nicht auf der gründlichen Untersuchungen von Impffolgen undkomplikationen bestehen, und solche Studien auch nicht selber in Auftrag geben.

Aus diesem Grund wird inzwischen auch die Verfassungsrechtlichkeit der STIKOEmpfehlungen angezweifelt. Es gibt zahlreiche Hinweise auf mögliche Störungen des Immunsystems oder der neurologischen Entwicklung durch das viele Impfen in der ganz frühen Kindheit. Mehr und mehr kristallisiert sich heraus, dass das Aluminium, das in allen Säuglingsimpfstoffen enthalten ist, ein hochproblematischer Stoff ist.

Manche Krankheiten haben auch einen positiven Aspekt, den man durch die Impfung verliert. So deuten einige Studien darauf, dass die Mumpserkrankung Frauen vor Eierstockkrebs schützt. Windpocken vermitteln einen gewissen Schutz vor allergischen Erkrankungen, Diabetes und Knochen- oder Hirntumoren. Auch die Masern üben offenbar einen positiven Effekt auf das Immunsystem aus, doch man gerät schnell in den Verdacht, ein fundamentalistischer Impfgegner zu sein, wenn man darüber spricht oder schreibt.

Für besonders wichtig halte ich die Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung und Masern. Die Hib-Impfung ist sehr effektiv, aber weniger gut verträglich. Man könnte sie bei der stabilen epidemiologischen Situation auch ins zweite Lebensjahr verschieben, als einmalige Einzelimpfung – vor allem wenn das Kind gestillt wird und nicht passiv raucht. Für die meisten weiteren Säuglings- und Kleinkinderimpfungen müsste das Verhältnis zwischen Nutzen und Risiko noch genauer bestimmt werden. Erwachsene sollten immun sein gegen Masern und Windpocken, Frauen zudem gegen Röteln und Männer gegen Mumps.

Quelle: medicalpress.de

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