Studien zu Fleischkonsum und Vegetarismus


Mitte August 2010 erschien das letzte Werk des amerikanischen Autors Jonathan Safran Foer auf Deutsch. Doch dieses Mal handelte es sich nicht um einen Roman, sondern um ein heiß diskutiertes Sachbuch namens „Tiere essen“: Als Jonathan Safran Foer Vater wurde, hatte er angefangen zu recherchieren, woher das Fleisch stammt, das auf seinem Teller landet. Herausgekommen ist so viel Negatives, dass Foer heute Vegetarier ist und die Menschheit über Massentierhaltung informieren wollte. „Tiere essen“ ist kein ideologisches Buch, sondern klärt sachlich auf und berichtet über Tatsachen, die normalerweise verschwiegen werden oder vor denen wir die Augen verschließen, wie zum Beispiel:

  • 99% allen Fleisches, dass wir in Europa und den USA konsumieren, stammt aus Massentierhaltung
  • Diese Art von Fleischproduktion gehört laut UN-Studien zu den Hauptursachen für die globale Erwärmung und die Umweltzerstörung
  • Das Fleisch, das wir essen ist nicht gesund: Tiere aus Massenhaltung sind vollgepumpt mit Antibiotika
  • Die Viren von Vogel- und Schweingrippe sind auf die Massentierhaltung zurückzuführen
  • für jedes Kilogramm Rindersteak, das auf unseren Tellern liegt, wird die zehnfache Menge an Getreide verfüttert und 16.000 Liter Wasser verbraucht
  • Wenn alle Amerikaner nur eine Fleischmahlzeit pro Woche auslassen, werden der Umwelt die Abgase von 5 Millionen Lastwagen erspart, 200 Millionen Tiere weniger würden wöchentlich geschlachtet.

Safran Foer will seine Leser nicht zu militanten Vegetariern machen. Sein Vorschlag: Weniger Fleisch essen – und wenn, dann von „glücklichen“ Kühen und Schweinen. Doch ist Fleischkonsum tatsächlich ungesund? Haben Vegetarier keine Mangel-erscheinungen? Heute präsentiere ich euch aktuelle Studien zu diesem Thema.

Fleischfans haben höheres Körpergewicht bei gleichem Kalorienkonsum

Das Imperial College in London veröffentlichte eine Studie (Vergnaud et al.), die belegt, dass erhöhter Fleischkonsum bei gleicher Energiezufuhr zu einem höheren Körpergewicht beiträgt. Über 370.000 Probanden zwischen 25 und 70 aus 10 europäischen Ländern beteiligten sich an der fünfjährigen Studie. Im Schnitt hatten diejenigen, die gerne und oft Fleisch essen (250g pro Tag) am Ende 2 kg mehr auf der Waage – obwohl sie nicht mehr Kalorien zu sich genommen hatten als die seltenen Fleischesser und die Vegetarier. Besonders betrifft das verarbeitetes Fleisch wie Würstchen oder Schinken – wer weniger davon konsumiert, wird eher abnehmen. Zwischen den Geschlechtern oder Gruppen wie Raucher/Nichtraucher, Normalgewichtige/Übergewichtige konnten keine anderen Ergebnisse festgestellt werden. Das erhöhte Körpergewicht ist letztendlich nur auf den Fleischkonsum zurückzuführen.

Sterben Fleischesser früher als Vegetarier?

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ging anhand der Daten einer Langzeitstudie mit 1900 Vegetariern der Frage nach, ob diese länger leben. Das Ergebnis: Die Sterberate sinkt bei Frauen um 30 Prozent, bei Männern sogar um durchschnittlich 50 Prozent. Kritiker merken jedoch an, dass Vegetarier oft generell einen gesünderen Lebensstil pflegen, mehr Sport treiben, weniger Alkohol trinken und natürlich mehr Obst und Gemüse zu sich nehmen, was die erniedrigte Sterberate auch unter soziologischen Gesichtspunkten erklären könnte.

Vegetarier haben vermindertes Diabetes-Risiko

Die Uni Bratislava (Valachoviocova et al.) verglich 2005 die Parameter für Insulinresistenz zwischen Ovo-Lakto-Vegetariern und Fleischessern mit Normalgewicht. Die Glukose- und Insulinkonzentrationen sowie HOMA-Indizes waren bei den Vegetariern signifikant niedriger. Die Autoren halten den vegetarischen Ernährungsstil vorteilhaft zur Prävention des metabolischen Syndroms, von Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen.

Rotes Fleisch: erhöhtes Risiko für Magen- und Dickdarmkrebs sowie Hypertonie

2007 veröffentlichten die EPIC-Forscher (European Prospective Investigation Into Cancer and Nutrition) nach 15 Jahren die Zwischenergebnisse ihrer Langzeitstudie mit mehr als 500.000 Teilnehmern, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Übergewicht, Krebs und chronischen Krankheiten darstellten: Hoher Fleischkonsum erhöht das Krebsrisiko, während Obst und Gemüse manchen Krebsarten vorbeugen. Das Risiko für Magen- und Dickdarmkrebs, steige mit dem Verzehr von rotem Fleisch erheblich, war eines der Ergebnisse der Studie.

2008 untersuchten Wissenschaftler der Harvard University (Wang et al.) den Zusammenhang zwischen dem Verzehr von rotem Fleisch und dem Risiko für arterielle Hypertonie an über 28.000 Frauen – und fanden eine Korrelation: Bei einer täglichen Aufnahme von rotem Fleisch von 1,5 Portionen und mehr war das Risiko für das Auftreten von Bluthochdruck im Vergleich zu den teilnehmenden Vegetarierinnen um 35 Prozent erhöht.

Nicht nur EPIC-Studie zeigt erhöhtes Krebsrisiko bei Fleischessern

Verschiedene epidemiologische Studien konnten nachweisen, dass der häufige Verzehr von rotem Fleisch das Risiko für Brustkrebs erhöht, sowohl bei jungen als auch bei postmenopausalen Frauen. Das könnte daran liegen, dass bei der Zubereitung von Fleisch mit großer Hitze heterozyklische Amine, insbesondere PhIP, entstehen, wie eine Studie des Imperial College erläutert. PhIP regt bereits in geringer Dosierung die Prolactinbildung in einer Zellkultur mit Hypophysenzellen an. Prolactin ist neben Östrogenen ein wichtiger Stimulator des Wachstums von verschiedenen Brustkrebsarten.

In einer brasilianischen Studie (Di Pietro et al.) wurden Brustkrebspatientinnen mit gesunden Frauen in Bezug auf Ernährungsgewohnheiten, Einkommen und Bildung verglichen. Es stellte sich heraus, dass der Verzehr von Schweinefett und fettem Fleisch mit einem erhöhten Risiko für Brustkrebs assoziiert war.

Selbst bei Hautkrebs könnte laut einer australischen Studie (Ibiebele et al.) Fleischverzehr ein Risikofaktor sein. Die Probanden wurden in zwei Ernährungsmuster-Gruppen aufgeteilt: ein fleisch- und fettbetontes oder ein obst- und gemüsereiches. Das Resultat war, dass ein hoher Fleisch- und Fettverzehr das Risiko für Stachelzell-Karzinome signifikant erhöht. Viel Obst und Gemüse können das Tumorrisiko dagegen um 54 Prozent verringern. Bei Basaliomen konnte keine Korrelation nachgewiesen werden.

Drohender Eisenmangel: Was es für Vegetarier zu beachten gilt

Auch wenn der Fleischverzicht zu besseren Blutwerten und geringerem Krebsrisiko führt, kann es doch zu Mangelerscheinungen kommen. Denn Fleischwaren sind wichtige Nährstofflieferanten für Eisen, Zink und B-Vitamine – vor allem bei Kindern. Diese Nährstoffe müssen Vegetarier aus anderen Lebensmitteln aufnehmen, was vor allem der veganen Ernährung viel Kritik einbringt. Hier kann gar kein tierisches Eiweiß aufgenommen werden, während Ovo-Lacto-Vegetarier durch Milchprodukte und Eier mit Kalzium, Vitamin B12, Eisen und Jod versorgt sind. Getreide, Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse sind für eine vollwertige Ernährung bei Vegetariern besonders wichtig. Veganer müssen die Zusammensetzung ihrer Lebensmittel und deren Proteingehalt gut kennen, um diese bewusst und gesund miteinander kombinieren zu können. Auch die Kalziumversorgung ist für Veganer schwierig.

Da der Mensch tierisches Eisen besser aufnimmt, kann es in diesem Bereich zu Mangelerscheinungen kommen, die man durch die zusätzliche Einnahme von Vitamin B12 oder genügend Vitamin C, dass die Eisenaufnahme verbessert, ausgleichen kann. Doch es gibt auch Produkte, auf die Vegetarier verzichten sollten, da sie die Eisenaufnahme hemmen: schwarzer Tee, Kaffee, Kakao, Knoblauch oder Zwiebeln. Bei Schwangeren, stillenden Müttern und Säuglingen sollten nicht vollkommen auf tierisches Eiweiß verzichtet werden. Bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum versorgt eine Portion Fleisch pro Woche den Körper mit ausreichend tierischem Eisen.

Laut Krebsforschungszentrum schneiden „moderate Vegetarier“, die gelegentlich eine kleine Menge Fleisch oder Fisch essen, in Bezug auf ihre Gesundheit am besten ab.

Quellen:
Artikelbild: © Minerva Studio – Fotolia.com

http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2003/dkfz_pm_03_12.php

Vergnaud AC et al.: Meat consumption and prospective weight change in participants of the EPIC-PANACEA study. American Journal of Clinical Nutrition 2010 Aug; 92(2):398-407.

Valachoviocova M et al: No evidence of insulin resistance in normal weight vegetarians. A case control study; European Journal of Nutr. 2005 Jun 10

Wang L et al: Meat intake and the risk of hypertension in middle-aged and older women; Journal of Hypertension 2008; 26(2):215–222

Science News Online: Troubling Meaty „Estrogen“; Week of Oct. 20, 2007; Vol. 172; No. 16

Di Pietro PF et al: Breast cancer in southern Brazil: association with past dietary; Nutr Hosp. 2007; Sep – Oct; 22(5):565–7

Ibiebele TI et al: Dietary pattern in association with squamous cell carcinoma of the skin: a prospective study; American Journal of Clinical Nutrition 2007 May; 85(5): 1401–8

ZDF Aspekte vom 13.8.2010

PTA heute, September 2010

http://www.zeit.de/2010/33/Vegetarismus-Interview?page=1

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,710622,00.html

http://www.stern.de/wissen/ernaehrung/ernaehrungsempfehlungen-rote-karte-fuer-rotes-fleisch-587877.html

Eine Antwort zu “Studien zu Fleischkonsum und Vegetarismus

  1. Man lese z. B. in der 24. Aufl. „Emma Allenstein’s Kochbuch“ von 1906.
    Dort ist auch der Jahresspeiseplan abgedruckt:
    An sehr wenigen Tagen im Jahr steht kein Fleisch auf dem Speiseplan!
    Es ist ein bürgerliches Kochbuch, keine Armeleute-Kochbuch.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s