Interview mit Prof. Dr. Michael Blauth


Zum Abschluss der Woche und das Thema Wintersportverletzungen habe ich ein Interview mit Prof. Dr. Michael Blauth, Direktor der Unfallchirurgie an der Uniklinik Innsbruck. Dr. Blauth erzählt uns wie man Winterverletzungen vorbeugen kann und welche Körperteile sind beim Wintersport besonders gefährdet.

Ich wünsche euch viel Spaß beim lesen und einen schönen und sicheren Start ins Wochenende!.

Wie kann man Verletzungen im Winterurlaub schon im Vorfeld vorbeugen?

Prof. Dr. Michael Blauth: Die effektivste und im Vorfeld „einfachste“ Methode Wintersportunfälle und deren Folgen zu vermeiden, ist Prävention. Hierzu haben sich folgende Punkte als effektiv herausgestellt: Ein verantwortungsvoller und gleichzeitig bedachter Start in den Winterurlaub, da sich zeigte, dass zumeist Verletzungen während des Winterurlaubes gleich zu Beginn passieren (55 % in den ersten 2 Tagen). Eine sorgfältige Wahl der Wintersportart und der Abfahrt stets an das Fahrkönnen angepasst. Auch ist es wichtig, sich den Wetterbedingungen anzupassen und nicht jeden Tag wegen eines z. B. Liftpasses unabhängig der meteorologischen Gegebenheiten auszunutzen. Stets ist auch die körperliche Fitness, das Aufwärmen vor dem Sportstart und nach längeren Ruhepausen wesentlich, um Unfälle durch z. B. Muskelermüdung oder Überbelastung zu vermeiden.

Wie im täglichen Straßenverkehr ist auch im Wintersport eine adäquate Schutzausrüstung (Helm, Handgelenkschützer, Rückenprotektor) enorm wichtig und reduziert das Verletzungsrisiko wie auch die Verletzungsschwere. Zuletzt versteht sich von selbst, dass Wintersport verantwortungsvoll ausgeübt werden sollte und auch stets die FIS Regeln beachtet werden müssen (http://www.oesv.at/breitensport/sicherheit/verhaltensregeln.html).

Was halten Sie von Rückenprotektoren für Freizeitskifahrer oder –Snowboarder?

Prof. Dr. Michael Blauth: Der wissenschaftliche Beweis für einen wesentlichen Vorteil von Rückenprotektoren ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erbracht. Auf der anderen Seite ist aber auch kein negativer Effekt bekannt, weshalb wir ihn als Zusatz zur Schutzausrüstung empfehlen würden.

Bemerken Sie einen Rückgang schlimmer Verletzungen seit Einführung der Skihelme?

Prof. Dr. Michael Blauth: Der protektive Effekt von Helmen gilt bereits seit einigen Jahren als gesichert. Eine kanadische Metaanalyse konnte zeigen (Russel et al. 2010), dass Kopfverletzungen im Wintersport durch den Gebrauch von Helmen um 35 % gesenkt werden können. In Patientenzahlen heißt dies, dass zwei von fünf Kopfverletzungen bei Gebrauch eines Helmes vermieden werden. Gleichzeitig gibt es auch keinen Hinweis auf steigende Zahlen von Wirbelsäulenverletzungen durch Helme.

 Welche Körperteile sind beim Wintersport besonders gefährdet?

Prof. Dr. Michael Blauth: Die besondere Gefährdung von Körperregionen durch Wintersport ist abhängig von der Sportart: Beim Skifahren trifft es zu mehr als einem Fünftel das Kniegelenk. Führend sind hier Bänderverletzungen. Bei Snowboardfahrern ist mit 18 % aller Verletzungen die Fraktur des Unterarmes oder Handgelenks führend. Die häufigste Verletzungslokalisation beim Rodeln stellt das Sprunggelenk dar.

Thema Knie: Wie haben sich hier in den letzten Jahren die Behandlungsmethoden z. B. bei Kreuzband- oder Meniskusrissen geändert?

Prof. Dr. Michael Blauth: Die Prinzipien der Akutbehandlung von Meniskus- und Kreuzbandverletzungen haben sich in den letzten Jahren nicht wesentlich geändert. Jedoch haben sich die operativen Techniken verbessert. Vollständige Kreuzbandrupturen beim jungen, sportlich aktiven Patienten werden überwiegend operativ versorgt. Hier achtet man heute besonders auf die anatomische Rekonstruktion des Kreuzbandes. Begleitende Knorpel- und Meniskusverletzungen können zu einer frühen operativen Therapie Anlass geben. Heute wird soviel Meniskusgewebe wie möglich erhalten und im Zweifel eher eine Meniskusnaht durchgeführt. Als Neuerung der letzten Jahre hat sich nach vollständigem Meniskusverlust mit entsprechenden Beschwerden die Meniskustransplantation etabliert, die auch in unserer Klinik durchgeführt wird.

Quellen:

  • medicalpress.de
  • Artikelbild: Salzburger Landeskliniken

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