Hausapotheke


Laut einer Umfrage der Apotheken Umschau haben 80 % der deutschen Haushalte eine Apotheke zu Hause. Bei kleinen Verletzungen, Kopfschmerzen oder beginnender Erkältung ist sie oftmals der Retter in der Not. Doch leider wird die Hausapotheke viel zu selten auf Aktualität und Inhalt geprüft: Nur ein Drittel der Befragten tut dies regelmäßig, und dann auch nur alle zwei Jahre. Dabei sollten Verbandsmaterialien und Medikamente mindestens einmal pro Jahr überprüft und gegebenenfalls ersetzt oder aufgefüllt werden.

Wie eure Hausapotheke gut sortiert und aktualisiert bleibt, erfahrt ihr Heute in diesem kleinen praktischen Post. Dazu habe ich für euch ein Interview mit Barbara Knapp,  Apothekerin in der Brunnenapotheke in Leutenbach. Vor dem Befüllen den optimalen Platz finden. Laut der oben genannten Umfrage hängt auch jedes zweite Medizinschränkchen am falschen Platz. Wie auch Apothekerin Barbara Knapp empfiehlt, sollte „die Lagerung an einem Ort mit geringer Luftfeuchtigkeit und möglichst konstanter Temperatur stattfinden – also nicht im Badezimmer, sondern eher im Schlafzimmer oder Arbeitszimmer“.

Was gehört in die Hausapotheke?

Neben Verbandszeug wie Pflastern, Wundverbänden und sterilen Kompressen, die ebenfalls regelmäßig auf ihr Verfallsdatum kontrolliert werden müssen, gehören natürlich Medikamente in das Schränkchen: Vor allem solche, die regelmäßig gebraucht werden, z. B. bei chronischen Krankheiten.

Darüber hinaus sollte jeder Haushalt Schmerz- und Fiebermittel parat haben sowie erste Helfer gegen Erkältungskrankheiten.

Gegen Magen-Darm-Beschwerden ist es sinnvoll, Elektrolytlösungen (bei Durchfall und Erbrechen) und Abführmittel vorrätig zu haben. Bei äußerlichen Verletzungen mit offenen Wunden hilft ein Wunddesinfektionsmittel sowie eine Wundsalbe, bei Prellungen oder Zerrungen eine entsprechende Salbe oder ein Gel.

Im Sommer ist es wichtig, Mittel gegen Mückenstiche oder Sonnenbrand griffbereit zu halten. Hilfreiche Extras sind Schere, Pinzette oder Zeckenzange, Fieberthermometer und Einmalhandschuhe.

Achtung: Kinder

In einem Haushalt, in dem kleine Kinder leben, muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Hausapotheke an einem sicheren Ort hängt (Empfehlung: mindestens 1,5 Meter hoch) und abschließbar ist. Zudem sollte sie in diesem Fall noch einige weitere Medikamente enthalten: ein kindergeeignetes Nasenspray, altersentsprechender Hustensaft, Fieberzäpfchen oder –saft sowie bei Bedarf Mittel gegen Zahnungsbeschwerden.

Weitere Tipps für die perfekte Hausapotheke:

  • Hängen Sie eine Liste mit Telefonnummern gut sichtbar in den Schrank: Haus- und Kinderarzt, das nächstgelegene Krankenhaus, die Apotheke des Vertrauens, Notruf und Giftnotrufzentrale.
  • Werfen Sie auf keinen Fall die Originalverpackungen weg: Erstens ist dann das Verfallsdatum eventuell nicht mehr sichtbar, und zweitens sollte immer der Beipackzettel griffbereit sein, um Wechselwirkungen oder Verwechslungen zu vermeiden.
  • Prüfen Sie Ihren Medizinschrank regelmäßig nach abgelaufenen Medikamenten. Auch offene Packungen wie z. B. Cremes oder Nasenspray sollten nach Ablauf der Aufbrauchfrist entsorgt werden. Nasenspray sollte zudem nur von einer Person verwendet werden.
  • Eingetrocknete oder verflüssigte Cremes und Salben, rissige Dragees oder verfärbte Tabletten auch schon vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums entsorgen.

Interview mit Barbara Knapp,  Apothekerin in der Brunnenapotheke, Leutenbach

Frau Knapp, was gehört auf jeden Fall in eine Hausapotheke?

Frau Barbara Knapp: Schmerzmittel, je nach Verträglichkeit entweder Paracetamol oder Ibuprofen in entsprechender altersgerechter Darreichungs-form (z. B. Zäpfchen oder Saft für Kinder, Tabletten für Erwachsene). Eine Schmerzsalbe mit Diclofenac oder Ibuprofen oder auch homöopathisch wie z. B. Traumeel®. Wundschnelldesinfektion, wie z. B. Octenisept®. Mullbinden und elastische Binden sowie Kompressen für einen Salbenverband, Pflaster in verschiedenen Größen. Individuelle Medikamente, die häufiger gebraucht werden, wie zum Beispiel Halsschmerztabletten, Durchfallmittel oder Erkältungsmittel.

Und was gehört auf keinen Fall in die Hausapotheke?

Frau Barbara Knapp: Nicht hinein gehören alle von einem Arzt verordneten Medikamente, die man nicht aufgebraucht hat – wie z. B. Antibiotika, starke Schmerzmittel, Kortikosteroide, Hormone, Blutdruckmittel etc.

Wo sollte man Medikamente zu Hause aufbewahren bzw. wie kann man sie optimal lagern?

Frau Barbara Knapp: Die Lagerung sollte an einem Ort mit geringer Luftfeuchtigkeit und möglichst konstanter Temperatur stattfinden – also nicht im Badezimmer, sondern eher im Schlafzimmer oder Arbeitszimmer. Medikamente grundsätzlich nicht über 25° C lagern, sicherheitshalber im Umkarton, damit sie vor Licht geschützt sind. Die wenigsten Medikamente müssen im Kühlschrank gelagert werden.

Wie lange kann man Medikamente aufbewahren, die schon angepackt sind (z. B. Nasentropfen, Wundcreme)?

Frau Barbara Knapp: Diese Frage kann man nicht generell beantworten, prinzipiell steht entweder auf dem Umkarton oder im Beipackzettel die entsprechende Information. Sehr wichtig ist die Unterscheidung zwischen dem normalen Verfallsdatum und der Aufbrauchfrist nach Anbruch.

Wie entsorge ich abgelaufene Medikamente am umweltschonendsten?

Frau Barbara Knapp: Bitte nicht über die Toilette entsorgen, sondern Mülltrennung, d. h. Umkarton und Beipackzettel zum Altpapier, Tablettenblister, Flaschen mit Lösungen etc. in den Restmüll. Darauf achten, dass Kinder nicht an den Restmüll kommen, damit sie sich nicht an Spritzen verletzen oder Tabletten essen können. In manchen Bundesländern werden Arzneimittel von den Apotheken gesammelt und gesondert entsorgt, bei uns in Baden-Württemberg leider nicht (mehr).

Quelle: medicalpress.de – Artikelbild: tetesept

2 Antworten zu “Hausapotheke

  1. Vielen Dank erstmal für diesen ausführlichen Artikel. Allerdings habe ich etwas „auszusetzen“. Der Punkt Durchfall stört mich sehr. Für wen soll diese Elektrolyt-Lösung sein? Nachweislich brauchen in 90% aller normal verlaufenden Durchfallerkrankungen nur alte Menschen und Kleinkinder Elektrolyt-Zufuhr über solche Lösungen. Stattdessen ist es viel sinnvoller, wenn man in der Hausapotheke Mittel wie Lacteol oder Perenterol hat, die auf Basis von natürlichen Stoffen die Darmflora stärken.

    • Vielen Dank Sven für die Anmerkung und den hilfreichen Kommentar. Die Empfehlung von Milchsäurebakterien hat den Beitrag jetzt abgerundet. Stimmt, die Elektrolyt-Lösungen sind vor allem für Kleinkinder und alte Menschen gedacht. Trotzdem darf man nicht die Durchfallerkrankungen bei Erwachsene unterschätzen. Ich selber war einmal bei einer akuten Durchfallerkrankung von Austrocknung des Körpers gefährdet. Ich habe nicht nur solche Lösungen benötigt, sondern auch eine Tropf-Infusion bekommen😦 Schöne Grüsse.

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