Medikamentöse Therapie bei Akne


Immer noch im Zusammenhang mit dem Thema unreine Haut, habe ich für Heute einen fachlichen Artikel. Außer in leichten Fällen von Akne ist die Behandlung durch einen Hautarzt (Dermatologen) anzuraten. Es stehen mehrere Wirkstoffe und unterstützende Therapie-Methoden zur Verfügung. Hiermit bekommt ihr einen gesamten Überblick der üblichen Medikamentöse Therapien.

Der Ansatz für die Therapie leitet sich aus dem Entstehungsmechanismus der Hauterkrankung ab. So werden Mittel eingesetzt, die

• eine Verminderung der Talgproduktion, z.B. Kürbiskernextrakt
• eine Keratolyse, z.B. Salicylsäure + Milchsäure oder Benzoylperoxid, das auch antibakteriell wirkt
• eine Antibiose oder
• eine Entzündungshemmung

bewirken.

Da die eingesetzten Medikamente in der Regel nicht alle Ursachen der Akne gleichzeitig bekämpfen, werden häufig mehrere Wirkstoffe kombiniert.

Skinoren 15% Gel Foto: Jenapharm

Gute Verträglichkeit von Azelainsäure

Weder toxisch noch die Lichtempfindlichkeit der Haut steigernd ist die verschreibungspflichtige Azelainsäure (Skinoren®). Aufgrund der guten Verträglichkeit gilt sie als gute Alternative bei der Aknebehandlung von Kindern ab zwölf Jahren und Schwangeren sowie in den Sommermonaten. Auch Azelainsäure ist sowohl keratolytisch als auch antibakteriell wirksam. Allerdings ist hier ebenso ein verzögerter Wirkungseintritt zu verzeichnen. Nach etwa vier Wochen verbessert sich das Hautbild. Hautirritierende Nebenwirkungen sind deutlich geringer ausgeprägt als bei BPO (Benzoylperoxid). Der Wirkstoff steht als 20-prozentige Creme oder als 15-prozentiges Gel zur Verfügung, beide sind verschreibungspflichtig.

Starke Wirksamkeit der Retinoide

Bei schwereren Akneformen kommen die am stärksten keratolytisch wirksamen Retinoide äußerlich zum Einsatz. Die Wirkstoffe leiten sich von Retinol (Vitamin A) ab. In Deutschland finden Vertreter der ersten Generation wie Vitamin-A-Säure/Tretinoin (z.B. Airol®) und Isotretinoin (z.B. Isotrex®) und Retinoide der dritten Generation wie das Adapalen (z.B. Differin®) Verwendung. Alle genannten Substanzen sind verschreibungspflichtig. Die Retinoide setzen unter anderem den Zusammenhalt der Keratinozyten herab und lockern so die Hornschicht auf. Dadurch schilfern sich die oberflächlichen Zellen leichter ab, und die Komedonen öffnen sich. Durch die Schälwirkung der Retinoide führen die Präparate primär zu einer deutlichen Hautirritation, die sich durch Schuppung, Rötung und Brennen der Haut bemerkbar macht. Zudem kann es zu Anfang zu einem Aufblühen der Akne kommen, da vorhandene Komedonen und Pappeln im Verlauf der Behandlung in eitrige Pusteln übergehen. Nach vier bis sechs Wochen bessert sich der Hautzustand.

Differin Gel Foto: Galderma

Um die Haut an die starke keratolytische Wirkung zu gewöhnen, sollten Retinoide zu Anfang der Behandlung nur einmal täglich abends aufgetragen werden. Wird der Wirkstoff gut vertragen, kann die Anwendung auch zweimal täglich erfolgen. Bei Adapalen ist grundsätzlich nur eine einmal tägliche Verwendung vorgesehen. Retinoide werden mit Antibiotika kombiniert, da beobachtet werden konnte, dass Antibiotika bei der Aknetherapie eine entzündungshemmende (antiphlogistische) Wirkkomponente entfalten. Starke Hautirritationen können so gemildert werden. Es gibt Vitamin-A-Säure beispielsweise auch als Kombinationspräparat mit Erythromycin (z.B. Aknemycin®Plus).

Während der Therapie darf die Haut keine zusätzliche Reizung erfahren. So sollte zum Beispiel auf Peelings verzichtet werden. Ebenso ist eine Exposition gegenüber UV-Licht während der Behandlung zu meiden, um einer möglichen Schädigung der gegenüber Sonnelicht empfindlich gewordenen Haut vorzubeugen. Wegen ihres teratogenen Potenzials dürfen retinoidhaltige Topika nicht in der Schwangerschaft angewendet werden.

Aknemycin Salbe Foto: Almirall


Antibiotika zur äußerlichen Anwendung

Zur lokalen Aknetherapie werden vor allem die verschreibungspflichtigen Antibiotika Erythromycin (z.B. Aknemycin® Lösung/Salbe) und Clindamycin (z.B. Basocin® Akne Gel) eingesetzt. Die Stoffe wirken gut gegen Propionobakterien und sind gut verträglich. Darüber hinaus macht man sich die bei der Aknetherapie beobachteten antiphlogistischen Effekte zu Nutze. Allerdings sollte wegen bestehender Resistenzgefahr die Anwendung auf maximal acht Wochen begrenzt werden. Zur Verbesserung der Resistenzlage werden die Antibiotika mit BPO oder Azelainsäure kombiniert. Clindamycin ist mit BPO in fixer Kombination als Fertigarzneimittel auf dem Markt (Duac® Akne Gel). Erythromycin kann ohne Wirkverlust nicht gemeinsam mit BPO verarbeitet werden. Daher müssen beide Stoffe einzeln mit zeitlichem Abstand (morgens-abends) aufgetragen werden.

Doxakne Tabs Foto: Galen Pharma

Antibiotika zur innerlichen Anwendung

Bei schweren Akneformen werden Antibiotika oral appliziert. Auch bei der innerlichen Einnahme konnte neben dem bakteriostatischen Effekt eine antiphlogistische Wirksamkeit beobachtet werden. Klassiker sind Tetracyclin (z.B. Imex®), Doxycyclin (z.B. Doxakne®) und Minocyclin (z.B. Skid®). Die Dosierung der Tetracycline ist in der Aknetherapie teilweise sehr niedrig. So führen beispielsweise 25 mg/d Doxycyclin zur Verbesserung des Hautbildes, wobei dann wahrscheinlich insbesondere antiphlogistische Effekte eine Rolle spielen. Zu beachten ist die phototoxische Potenz der Tetracycline. Sie sollten daher nicht in den Monaten mit starker Sonneneinstrahlung eingenommen werden. Zudem sind sie in der Schwangerschaft kontraindiziert.
Daneben finden auch Erythromycin oder Clindamycin Verwendung. Auch bei der systemischen Anwendung von Antibiotika sollte die Therapie wegen der Gefahr von Resistenzen nicht länger als acht Wochen dauern.

Valette Foto: Jenapharm


Antiandrogene für Frauen vorbehalten

Bei Frauen, die gleichzeitig eine Verhütung wünschen, werden zur Behandlung der Akne auch orale Östrogen-Gestagen-Kombinationen verordnet, deren Gestagen antiandrogene Eigenschaften besitzt wie beispielsweise Cyproteronacetet (z.B. Diane®), Chlormadinonacetat (z.B. Belara®) oder Dienogest (z.B. Valette®). Da Androgene über eine Verstärkung der Talgsekretion an der Entstehung der Akne beteiligt sind, können Antiandrogene die Aktivität der Talgdrüsen so vermindern, dass die Komedonenbildung unterbleibt. Erfolge stellen sich nach ungefähr drei Monatszyklen ein. Allerdings sind Rezidive nach Absetzen der Präparate häufig.

Aknenormin Foto: Almirall

Orales Isotretinoin als stärkste Waffe

Orale Darreichungsform von Isotretinoin (z.B. der Klassiker Roaccutan®) werden bei schweren Formen der Akne wie der Akne conglobata angewendet, die sich trotz anderer Therapieoptionen nicht gebessert haben. Großer Vorteil des Wirkstoffes ist, dass er, innerlich eingenommen, in alle vier Pathomechanismen der Akne eingreift. Er unterdrückt die Aktivität der Talgdrüsen und verkleinert die Follikel, reguliert die Follikelverhornung, mindert die Entzündung und reduziert das Wachstum der Propionbakterien. Bei etwa 80% der behandelten Aknepatienten kommt es nach einem Behandlungszyklus von ungefähr sechs Monaten zur Ausheilung der Erkrankung. Um die Haut vorsichtig an den Wirkstoff zu gewöhnen, erfolgt die Einnahme in langsam steigenden Dosen. Dafür stehen Kapseln mit 10 und 20 mg Wirkstoff zur Verfügung. Um Rezidive zu vermeiden, wird Isotretinoin nicht abrupt abgesetzt, sondern ausgeschlichen. Ein Rückfall ist selten, kann aber mit einem zweiten, sich anschließenden Therapiezyklus behandelt werden. Roaccutan als Medikament gibt es dabei auch überhaupt nicht mehr, da explizit dieses Medikament nicht mehr hergestellt wird. Jedoch gibt es eine Reihe von anderen Firmen, welche Roaccutan unter anderem Namen, aber mit dem gleichen Wirkstoff (Isotretinoin) herstellen und verkaufen, wie z.B. Aknenormin von Almirall. Natürlich ist auch Isotretinoin verschreibungspflichtig.

Mehr hochwertige Infos rund um das Thema Akne und ihre Behandlungsmöglichkeiten, findet ihr hier.

Quelle: PTA Das Magazin, Ausgabe 01/2008; aknepickel.de

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